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Soll ich im Ausland studieren? Erfahrungen in Australien

üneburg 

Persönliche Erfahrung und Motivation als Mutmacher für Nachfolgende
 

Soll ich ins Ausland gehen? Das ist die Frage, die sich wohl jede/r Student/in irgendwann einmal während des Studiums stellt. Wahrscheinlich würden viele Studenten/innen bei dieser Frage mit ‘ja’ antworten, allerdings kommen schnell viele weitere Fragen hinzu, die das ‘ja’ dann versiegen lassen. Beim genaueren Hinsehen erscheint es mitunter auch sehr kompliziert und aufwendig, einen Auslandsaufenthalt zu organisieren, so dass die Motivation für ein entsprechendes Engagement vernichtet wird. Auftretende Fragen oder Probleme könnten sein:

  • Wohin soll ich gehen?
  • Es gibt nur sehr wenige Austauschplätze. Wie bekomme gerade ich einen Platz bei der hohen ‘Konkurrenz’?
  • Wie viel Geld benötige ich und woher soll ich das bekommen?
  • Ich bin nicht gut genug in der entsprechenden Sprache.
  • Wie funktionieren das Studium und das Leben dort überhaupt?
  • Wahrscheinlich verlängert sich dadurch mein Studium.
  • Ich werde meine/n Freund/in vermissen und setze unsere Beziehung aufs Spiel.
  • Was mache ich mit meiner Wohnung?

Ich hatte nichts zu verlieren! 

Gleiche und ähnliche Fragen hatte auch ich, bevor ich mich für das Austauschprogramm der Universität Lüneburg mit der University of Queensland in Brisbane/Australienbeworben habe. Gerade die Zweifel wegen der hohen Nachfrage nach dem Studienplatz waren auch bei mir recht hoch. Was mich dennoch zu einer Bewerbung bewegt hat, war die Bereitschaft, viel Energie und Zeit in eine entsprechende Bewerbung zu investieren, sowie die Hoffnung auf Erfolg. Außerdem war da nichts, was ich zu verlieren hatte! Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass ein hohes Maß an Engagement erforderlich ist. ‘Mal eben so’ funktioniert die Organisation eines Auslandaufenthaltes nicht und die Arbeit wird auch nicht von jemand anderem übernommen. Ich habe den ganzen Organisationsprozess als Herausforderung für mich gesehen und kann nur sagen, dass es ein unwahrscheinlich gutes Gefühl ist, wenn sich letztendlich herausstellt, dass sich alle Mühen gelohnt haben! Für solche Belohnung würde ich wieder so viel Energie investieren! 

Was ist denn die Belohnung für den Organisations- und 
Bewerbungsstress?

Ich empfinde es als Belohnung, viele neue Anregungen und Ideen für mein restliches Studium, meinen Beruf und meine Person erhalten zu haben. Außerdem konnte ich viele Kontakte zu Studierenden, Lehrern oder Einheimischen knüpfen. Es begann mit der Erfahrung, mich an einer völlig neuen, großen Universität zurechtzufinden. Am Anfang war ich etwas nervös, aber schon nach kurzer Zeit habe ich mich dort eingewöhnt. Das hat mir gezeigt, dass ich an fremden Orten, ganz allein, gut zurechtkommen kann. Das zu wissen bereitet mir ein gutes Gefühl. Ich konnte meine Selbständigkeit überprüfen und weiterentwickeln. Gerade am Anfang war der Kontakt zu anderen internationalen Studenten/innen sehr wichtig. Ich war erstaunt wie schnell ein Gemeinschaftsgefühl entsteht und wie sich alle Studenten/innen gegenseitig unterstützen und motivieren. Ich habe gelernt, noch offener gegenüber fremden Menschen zu sein. Ich habe außerdem Studenten/innen aus ganz verschiedenen Studiengängen kennen gelernt und von Ihrem Studium erfahren. Dies fand ich in Lüneburg bisher nicht so einfach. Ich empfand es als sehr bereichernd, direkt von den einzelnen Studenten/innen über ihre Länder und Lebensweisen zu erfahren. Ebenso hatte ich die Möglichkeit, australische Studierende zu beobachten und durch gemeinsame Lerngruppen ins Gespräch zu kommen. Ich hatte das Gefühl, dass sich ihre Studierweise von unserer unterscheidet. Beispielsweise stellte ich fest, dass sie viel mehr dazu neigen, in der Bibliothek zu studieren, anstatt zu Hause. Weiterhin konnte ich meinen englischen Schreibstil verbessern. Ich denke, dass die permanente Kombination aus Hören, Sprechen und Schreiben in der Fremdsprache sehr effektiv ist. Lernfortschritte können meiner Ansicht nach so viel schneller erzielt werden als das in Deutschland der Fall ist. Beim Schreiben vieler Assignments (schriftliche Arbeiten) wurden mir ‘Learning Adviser’ zur Verfügung gestellt, so dass ich sehr schnell ein Feedback und Hilfestellungen erhalten habe. 

Neue Fächer und Informationen über das Land
 

Ich hatte die Möglichkeit Fächer zu belegen, die in Lüneburg nicht angeboten werden. Zudem stand mir andere Literatur (keine deutschen Autoren!) zur Verfügung. Ich habe die Scheu vor englischsprachiger Literatur verloren. Mir wurde bewusst, dass es viele Informationsquellen gibt, die ich bisher kaum genutzt hatte z.B. Datenbanken oder Internetseiten amerikanischer Universitäten. Gerade im Internet stehen wesentlich mehr Informationen in englischer als in deutscher Sprache bereit! Während der Veranstaltungen erfuhr ich nicht nur Sachverhalte hinsichtlich des jeweiligen Faches, sondern auch Hintergrundwissen über das Land in den Bereichen Politik, Geschichte oder Natur. So habe ich beispielsweise mehrfach über Aborigines erfahren. Ich bin der Ansicht, dass sich ein Land durch so einen Auslandsaufenthalt wesentlich intensiver kennen lernen lässt als dies durch eine bloße Reise möglich wäre. Zusätzlich zum Studium lässt sich auch noch ein Praktikum organisieren (integriert oder anschließend), so dass ein Einblick in die Berufswelt und Anregungen für den eigenen Beruf gewonnen werden können. Außerdem können Kontakte geknüpft werden, die in der Zukunft während der Berufstätigkeit von Nutzen sein können. 

Meine Meinung zum Studium im Ausland: ‘WO EIN WILLE IST DA IST AUCH EIN WEG!’

Hier habe ich sicherlich nur einige Dinge genannt, die ein Auslandssemester bewirken kann. Jede/r einzelne Student/in wird noch ganz andere Erfahrungen nennen, die ihr/ihm besonders wichtig erscheinen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich auf so ein "Abenteuer" einzulassen auch wenn es einigen Organisationsaufwand mit sich bringt. Um auf meine Anfangsbefürchtungen zurück zu kommen: Meine Wohnung habe ich untervermietet, Kontakt zu meinen deutschen Freunden per Email gehalten und dabei tolle Unterstützung bekommen, Sprachkenntnisse kann man vorher verbessern und bekommt man durch den Aufenthalt im Gastland sowieso. Auch verlängert sich das Studium nicht, wenn man ein Urlaubssemester beantragt. Bleibt nur noch die Entscheidung: Welches Land interessiert mich besonders? Ich bin fest davon überzeugt, dass beim Thema Auslandsaufenthalt das Sprichwort gilt: ‘WO EIN WILLE IST DA IST AUCH EIN WEG!’