EU

Als Entwicklungshelferin in Mexico-City

Leopoldine Ganser, Österreich 

Ein Mexiko-Urlaub mit Folgen 

Anlässlich einer Urlaubsreise wurde ich 1993 Zeugin eines schweren Bergunfalls des österreichischen Priesters Martin Römer: Nach einem Höhenkoller am Popocatepetl in 5200m Höhe rutschte er auf einem Schneefeld 500 m ab und blieb bewusstlos liegen. Ich besuchte ihn in der Intensivstation, wo ich den Jesuitenpater Roberto Guevara kennen lernte. Dieser nahm mich mit zu seinen Kindergärten in den Slums von Mexico City. Ich besuchte auch die Eltern dieser Kinder und deren Arbeitsstätte: die Müllhalde. Zutiefst erschüttert von ihren Lebensbedingungen überlegte ich Wege und Möglichkeiten, das Los dieser Menschen zu verbessern, das Leben dieser Kinder zu verändern. 


Zurück in Österreich
 

Gemeinsam mit meinen SchülerInnen - GymnasiastInnen der Peuerbachschule in Linz – veranstaltete ich Flohmärkte, Theaterspiele und verkaufte Basteleien. Den Erlös sandten wir nach Mexiko. 1995 entschloss sich der wieder genesene Pater Römer, für längere Zeit nach Mexiko zu gehen und mit Pater Roberto zusammen zu arbeiten. Ich gründete den Verein „Initiative Österreich-Mexiko“, und gemeinsam mit der „Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit“ und unterstützt durch viele Spender gelang es, Lehrwerkstätten, ein Medizinzentrum, eine Mehrzweckhalle, Lehrräume und Sportplätze zu errichten. 

Bei den „Müllmenschen“
 

1997 ging ich selbst für vier Jahre als Entwicklungshelferin nach Mexico City und arbeitete dort im Rahmen des Projekts. Es liegt am Rande der Müllhalden der größten Stadt der Welt in einer Höhe von 2000m. In unserem Barrio gibt es kaum befestigte Straßen, so dass wir in der Regenzeit wie in einer Lagune leben und in der Trockenzeit der von den Wirbelstürmen mitgerissene Staub die Lungen, Augen und Ohren stark beansprucht. Für mich als Lehrerin ist der große Stolz „meine“ Fussballiga, der seit nun fünf Jahren 20 Mannschaften angehören. Es freut „meine mexikanischen Buben“ sehr, wenn ihnen „meine österreichischen Buben“ Dressen und Schuhe schicken. Voller Stolz tragen sie diese dann tagein, tagaus. Für mich sind die Fußballkinder "Friedensbringer", sie bringen in ihre bescheidenen Hütten die sichtbare Botschaft, dass es in einem fernen Land, zwölf Flugstunden jenseits des Ozeans, Menschen gibt, die an ihrem Leben Anteil nehmen. 



Hoffnungen 

Für mich als Lehrerin aus Berufung waren diese Erlebnisse tiefgreifend und ich wünsche mir, dass eines Tages die Besitzenden dieser Welt erkennen, dass es besser ist, das Geld in die Ausbildung unserer „Weltkinder“ zu investieren als in hochtechnisierte Waffen, die immer präziser zerstören können.Mein Traum ist eine Stiftung, die unser Projekt absichert und Jugendlichen den internationalen Austausch und die Arbeit in Entwicklungsprojekten erleichtert. Ich denke, es ist einer der wichtigsten Bildungsinhalte für unsere europäischen SchülerInnen, die Lebenssituation in den armen Gebieten der Erde sowie die Kulturen der indigenen Völker kennen zu lernen. Es wäre schön für mich, die Botschaft Don Boscos unter den Jugendlichen der Welt zu verbreiten – sie ist aktueller denn je:
„Gutes tun, fröhlich sein, und die Spatzen pfeifen lassen!“